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weiße Tasten schwarze Tasten – Sontraud Speidel spielt Barbara Heller

14.90€

KLAVIERSUITE (1956)
1Amabile grazioso1:17
2Energico1:42
3Solenne espressivo3:13
4Thema mit 5 Variationen6:51
SONATINE (1962)
5Allegretto moderato4:04
6Presto2:23
7NACHT-TAGEBUCH (2003)4:24
8WEISSE TASTEN, SCHWARZE TASTEN (2003)12:54
KLANGBLUMEN (1996-2007)
9Nebel0:35
10Weiße Blume1:47
11Gräser im Wind0:47
12Inselblume1:02
13Im Schilf0:49
14Glocken1:22
15Tanzblume0:43
16Flatterblume1:03
17Kleiner Seufzer1:48
18Zarte Blume1:30
19Welkende Rose1:57
20Mandala1:08
21Springblume0:41
22Winterblume0:48
23Regenblume0:55
24Papierblume1:26
25Pusteblume0:59
26Abendblume2:13
27Endlos4:23
28Märchen1:05
29Klangblume1:10
30Traum3:42
31Im Mondlicht1:42
32Flugblume1:30
33Ziehende Wolken1:03
34KONTRASTE 2 (2011)2:00
35ETÜDE 1 (2010)1:27
Total76:44
Interpreten

Sontraud Speidel

Instrument

Steingraeber & Soehne E–272

Aufnahme

Velte-Saal, Musikhochschule Karlsruhe, August 2011

Tontechnik

Marc Seiffge
Tonstudio Schloss Gottesaue, Karlsruhe

Text

Sontraud Speidel
Barbara Heller

Übersetzungen

Lynn Elms

Gestaltung

reichenbach design, Halle/Saale

Illustrationen

Petra Reichenbach nach Fotos von Rena Bayer

Foto

Eva Korn (S.11)
Young-Ho Song (S.13)

Produktionsbetreuung

Richard Berg

Booklettext

Sontraud Speidel und Barbara Heller, ein Gespräch in Karlsruhe am 13.3.2011

Heller: Miteinander bekannt geworden sind wir über eine Komponistin! Es war Fanny Hensel- Mendelssohn, deren Klavierwerke Du in den 80 ger Jahren öffentlich gemacht hast. Ich hatte die neu entdeckten Klavierwerke der Schwester von Felix Mendelssohn vorher noch nie gehört. Mit Deiner Interpretation hast Du sozusagen ein Vorbild gegeben. Seither verehre ich Dich und Deine künstlerische Arbeit.
Speidel : Ja, in den 80 ger Jahren habe ich ihre Musik gespielt und aufgenommen. Einige Jahre später habe ich noch eine CD mit mehreren Komponistinnen gemacht, da ist ebenfalls etwas von ihr dabei.Neulich spielte eine Schülerin auch die Bagatellen von Fanny Hensel. Inzwischen war ich auch in Berlin in der Bibliothek Preußischer Kulturbesitz und habe mir Kopien von den Autographen machen lassen. Es gibt auch sehr schöne vierhändige Stücke….. Jetzt im Mai 2011wird hier in Karlsruhe an der Musikhochschule Peter Härtling sein neues Buch vorstellen: eine Biographie über Fanny Hensel! Er hat ja schon über Franz Schubert und Robert Schumann geschrieben und jetzt über Fanny Hensel. Da spielen wir ihr Trio op. (Eine frühere Schülerin, Martin Ostertag und ich) und einige kurze Klavierstücke von ihr, die Bagatellen…..

Heller: Ich hatte das Glück, daß ich einen Teil ihrer Klaviermusik im Furore Verlag Kassel herausgeben durfte : die Bagatellen, die Sonaten und den Zyklus Das Jahr.
Speidel:…Und ist der Sonatensatz in E-Dur auch veröffentlicht? Den habe ich noch aus dem Manuskript gelernt, was garnicht so einfach war. Ich finde sie in gewisser Weise interessanter als ihren Bruder: harmonisch! Es gibt bei ihr harmonisch interessantere überraschende Wendungen als bei ihrem Bruder. Satztechnisch ist er der Größere, das ist ganz klar. Man merkt, daß beide die gleiche Schulung hatten.
Heller: Ja, der Sonatensatz ist auch veröffentlicht.
Jetzt möchte ich gerne eine Frage stellen: Wie bist Du eigentlich auf die Idee gekommen eine CD mit Heller-Musik einzuspielen?
Speidel: Die Musik von ihr hat mich immer interessiert. Und jetzt kam der Anstoß, daß ein Jubiläum ansteht und man da die Klaviermusik von Barbara Heller ensprechend würdigen soll. Und solch ein Projekt hat mich sehr interessiert. Ich finde es schön , daß man dabei auch die Entwicklung einer Komponistin über Jahre und Jahrzehnte hinweg aufzeigen kann und nicht nur 1 Stück herausgreift. Und gerade bei Dir ist die Vielseitigkeit so groß.

Heller: Du sprichst von Vielseitigkeit. Und ich bin ganz verunsichert, denn ich kann kaum beurteilen, was ich in all den Jahren gemacht habe. Ich habe das Gefühl, es ist alles das Gleiche. Daher würde mich interessieren welche Unterschiede Du darin findest.
Speidel: Es ist überhaupt nicht alles gleich. Garnicht. Es gibt Stücke, die sehr karg sind und dadurch sehr intensiv, z.b. in den Klangblumen. Das finde ich so reizvoll, daß darin mit ganz wenig Mitteln so viel Farbe und Intensität gegeben ist. Das finde ich sehr interessant. Und auch die Unterschiedlichkeit der einzelnen Stücke. Das ist eine Herausforderung, genau auf den Punkt zu kommen, auch wenn man mit den Fingern wenig zu tun hat
Heller: Das stimmt. Die Klangblumen sind ja auch ganz langsam gewachsene und gelebte Musik. Sie zeigen meinen Heilungsprozess nach einer großen seelischen Krise.

Speidel: Und gerade diese Musik finde ich irgendwie so gesund, auch klanglich..
Heller: Ja. Ich bin ja auch über das Musikmachen wieder gesund geworden, Jetzt arbeite ich anders. Ich betrachte Möglichkeiten, was machbar ist mit einem Klavier. Und ich prüfe, ob es noch etwas gibt, das ich zu sagen hätte. Es geht ja auch um die Botschaft. Bei den Klangblumen war die Botschaft „Innenleben“. Dagegen sind die früheren Stücke ja recht äußerliche Stücke, die Suite zum Beispiel ….

Speidel: Ja, sie ist pianistisch gedacht in gewisser Weise traditionell. Gewiss mit einer bestimmten eigenen Handschrift, aber nicht überwiegend. Aber hier sehe ich die anderen Kompositionen ! Sie sind alle etwas ganz Besonderes etwas Feines. Hier z.B. Anna Z.
Heller: Von Anna Z. habe ich außer der Uraufführung damals nichts mehr gehört….
Speidel: Das ist etwas ganz Feines, sehr schön!
Heller: Und die Pianistin Anna Z. konnte sehr sehr leise spielen…………….Ich selber war da nicht so gut!

Heller: Du konzertierst ja in der ganzen Welt. Darf ich fragen ob Du Deine Programme selbst bestimmen darfst?
Speidel: Nicht immer. Im Großen Ganzen ja, aber nicht immer.
Heller: Du sagst, die „Klangblumen“ sind für Dich reizvoll, wegen dermusikalischen Arbeit
d.h. das musikalische , das konzentrierte oder keimhafte spricht Dich an? Aber Du spielst doch sicher auch gerne virtuose Literatur, da Du ja auch ein enormes technische Können besitzt
Speidel: Ja natürlich spiele ich Chopin Sonaten und die großen Werke von Robert Schumann oder Brahms. Beethoven ist auch technisch sehr anspruchsvoll. Selbstverständlich spiele ich das alles, denn ohne diese Literatur kann ich keine Pianistin sein
Heller: Und das fehlt Dir nicht in meiner Musik?
Speidel: Nein, nein, das fehlt mir nicht. Ich habe ja nicht vor mein Leben lang nur Heller zu spielen.
Aber als wichtige Farbe, als etwas ganz Persönliches finde ich es sehr interessant.
Heller: Ich beobachte, daß sich vieles in meiner Hand befindet durch mein Repertoire als Pianistin. Daher eine Frage an Dich: wenn Du Heller spielst, merkst Du dann evtl. etwas in Deiner Hand, das Dich erinnert an etwas aus Deinem Repertoire?
Speidel: Das kann ich nicht sagen. Ich habe soviel verschiedartiges Repertoire gespielt. Da ist eigentlich irgendwie alles in der Hand drinnen.

Heller: Kommt es Dir manchmal wie eine Erinnerung an etwas vor? Oder denkst Du, Deine Hand kennt das…?
Speidel: Nein. Ich finde das ganz eigenständig. Weil ich ja bisher keine Heller Musik gespielt habe, muß ich erstmal suchen mich einzufühlen. Das ist jetzt eine Herausforderung. Aber es sind sehr viele Angaben in den Noten und da lässt sich gut herausfinden, was hinter den Noten steht. Es bleibt kein Buch mit 7 Siegeln.
Heller: Und gibt es schon ein bevorzugtes Stück, ein Lieblingswerk? Oder kommt die Frage zu früh?
Speidel: Ja, die Frage ist zu früh gestellt. Ich sage immer, ich spiele am liebsten das Stück, das ich gerade studiere. Ich lasse mich gerne auf das ein, was ich gerade spiele.
Heller: Die Aufnahmen werden ja im Studio gemacht. Denkst Du daran einmal eines der Stücke in Dein Repertoire aufzunehmen bei Deinen Konzerten?
Speidel: Ja das könnte ich mir schon vorstellen

Heller: Das eine oder andere ….. das wäre ja schön. Davon träume ich, daß ein Stück immer wieder gespielt wird. Grigory Gruzmann, Dein russischer Kollege hat das ein paarJahre gemacht, als er noch in Darmstadt an der Akademie lehrte. Hast Du noch Fragen an mich?
Speidel: Ja, ich habe die Frage, ob du die Kompositionen mit der inneren Vorstellung des Klaviers geschrieben hast als Klavier, oder ob Dir auch orchestrale Farben vorschweben?
Heller: Das ist eine sehr schöne Frage. Nein, wenn Klaviermusik dann nur Klavier, wobei ich in den 90 ger Jahren dachte, die Klangfarbe Klavier ist mir zu einseitig. Klavier bleibt Klavier. Meine Klangvorstellung hatte sich stark verändert Da ist nur noch „Un poco“ entstanden, darin arbeite ich mit der Resonanz.
Und momentan bei den Stücken, die für den Piano Podium Wettbewerb 2013 entstehen -wozu auch die Kontraste gehöre- da versuche ich sozusagen klavieristisch mehr die Farbenvielfalt herauszuholen. Ich werde auch neuerdings mehr durch Sehen inspiriert. Die Musik entsteht zwar kompositorischen betrachtet über die Strukturen ( wie z. B. ein Oktavenstück als Idee, oder ein Stück aus 3 Tönen), aber daß die Musik dann z. B. klirrend laut im Baß wird, oder ganz leise, oder schwirrend in der Höhe- diese Ideen entspringen meinem Wunsch nach Klangfarbe.

Speidel: Ja, ich habe auch den Eindruck daß es farbige Musik ist. Gerade hier, diese Stücke.
Heller: Ich bevorzuge kleine Besetzungen. Das Orchester ist mir zu viel
Speidel: Ja- also symphonische Stellen habe ich nicht gefunden….. Es gibt immer eine gewisse Intimität bei deinen Stücken
Heller: Ja, ich bin ja ein sehr ernster Mensch, ich will nicht unterhalten……..Ich will etwas geben. Ich sage mit einer Komposition auch etwas, das ich nicht leben kann. Z. B. kommt im Nacht- Tagebuch etwas zum Vorschein, das ich im Leben nicht wage
Speidel: Ja, weil Du Dich in gewisser Weise entblößt mit Deiner Musik
Heller: Spielst Du gerne auch Musik von anderen Zeitgenossen?
Speidel: Ja, z. hat mir Violeta Dinescu ja ein Klavierkonzert gewidmet und das habe ich bisher 2 mal gespielt und das wird noch öfters kommen. Da ist sehr viel mit Improvisation dabei, es ist für Klavier und Streicher. Es hat einen großen Erfolg

Heller: Möchtest Du noch zu einzelnen Stücken, die Du spielst etwas sagen ? Deine Programmauswahl ist jat riesig, es fängt 1956 an und geht bis heute, das sind ja über 50 Jahre
Speidel: Ja, das Nacht-Tagebuch finde ich besonders sprechend und interessant, eine Herausforderung. Da ist zu spüren daß viel an seelischer Arbeit dahintersteht.
Heller: Kommt das herüber?
Speidel: Ja. Es ist alles schön, was ich spiele. Mit der Toccatina und Sonatine, da ist man vertraut. Das ist keine größere Herausforderung. Bei Kontraste kommt es darauf an: Wie stark möchte ich die Akzente machen, die Kontraste sehr stark oder eher verhalten? Ich habe das Gefühl, daß die Akzente sehr stark sein sollen….
Heller: Ja, die Kontraste sind eigentlich sehr grob. Ich vermute, daß dabei viel von mir zurückgehaltene Agressivität zum Vorschein kommt. Aber es fasziniert mich auch rein kompositorisch, wenn ich so einen groben mächtigen lauten Klang habe und der Klang direkt danach fast unhörbar leise wird ….
Speidel: Es sind für mich positiv anregende Stücke, nicht nur Nacht dunkel……
Heller: Ich habe neulich einen jungen Schüler mit dem Nacht- Tagenbuch gehört, mit einer Hingabe gespielt, auch körperlich sichtbar, daß ich dachte, Vielleicht möchten die Schülerinnen nicht immer nur üben sondern auch etwas erleben am Klavier
Speidel: Ja, genau, ja ja. Das war auch bei dem Violeta Dinescu Klavierwettbewerb so. Als die Komponistin die Aufnahmen abgehört hat , bemerkte sie lachend …“ die Improvisation kommt ja länger als das ganze Stück“! Die Schüler wollten garnicht mehr aufhören mit dem improvisieren. Es hat ihnen soviel Spass gemacht, daß sie etwas eigenes spielen durften und nicht nur etwas vorgegebens.

Heller: Bevorzugst Du virtuose Musik oder eher stille Musik?
Speidel: Beides! Und Virtuosität kann einem ja auch musikalisch erfüllen, wenn es ein gutes Werk ist. Virtuosität ist ja kein Selbstzweck. Deine Musik ist oft eine stille Musik aber sehr intensiv finde ich, das ist was mich reizt.
Heller: Würdest Du gerne Interpretationen Andere hören, um die Stücke kennen zu lernen, ehe Du sie spielst?
Speidel: Nein, ich möchte es selbst entdecken. Ich habe ja inzwischen eine CD von anderen Komponistinnen eingespielt von mehreren, kennst du sie ?

Heller: Ja, meinst Du: Komponistinnen aus 3 Jahrhunderten bei Organo Phon ?
Speidel: Ja, da sind ganz schöne Stücke dabei. Da ist die Mutter von Frederico Busoni dabei, diese Anna Weiss, das fand ich eine schöne Entdeckung.
Heller: Du wirst ja jetzt bald meine Klavierstücke im Studio einspielen. Spielst du gerne im Studio oder lieber im Konzert für das Publikum direkt?
Speidel: Eigentlich ist beides ist gleich gut für mich. Ich will die Menschen erreichen, und ob diese direkt anwesend sind oder es später von der Aufnahme hören, das ist mehr oder weniger gleich für mich. Im Konzertsaal erwarten sie, daß man sich einbringt und sich nicht zurückhält. Das ist das Wichtigste.

  1. Badische Neueste Nachrichten

    Schreibt:

    Schwarz-Weiß so farbig
    Feuilleton, 22.12.2011

    Da nimmt man auch das tropfnasse Schmuddelwetter in Kauf, solange es eine „Regenblume“ gibt wie die der Komponistin Barbara Heller. Ihre kurzen Miniaturen für Klavier haben das Zeug zum Niemals-vergessen-Werden. Wer sie hört, gerät in ihren Bann. Noch viel zauberhafter aber muss es sein, die bildhaften und ihre Titel erklärenden, malerischen Stücke selbst zu spielen. Sontraud Speidel entdeckt auf ihrer neuen CD
    „Weiße Tasten, Schwarze Tasten“ den aus 25 Stücken bestehenden Zyklus „Klangblumen“
    (1996-2007) als impressionistische Farbtupfer.
    Faszinierend wie die Künstlerin die Holzhämmerchen ihres Pianos dazu bringt, im Wind wippende oder flatternde Blüten vors innere Auge zu führen, Gräser wiegen oder Wolken ziehen zu lassen. Es sind diese Augenblicke über neuen Klavierstücken, in denen insbesondere Schüler drauflosmalen wollen an den schwarzen und weißen Tasten und entdecken, dass über Musik Bilder suggeriert werden können. Nicht die Finger geraten ins Schwitzen, sondern die Fantasie des Interpreten ist hier gefragt, um die Stücke lautmalerisch zu entfalten. Speidel gelingt es vortrefflich – ein Blumenstrauß, den man all zu gerne in den Händen halten möchte.
    In weiteren Werken wie die Klaviersuite (1956) und der Sonatine (1962) oder der Etüde 1 (2010) präsentiert die Karlsruher Klavier-Professorin wiederum technisch kniffligere Stücke von Barbara Heller und solche, die von kontrapunktischer Finesse zeugen, immer aber auch eine Prise Humor in sich tragen und bei aller Modernität geerdet wirken.

  2. Darmstädter Echo

    Schreibt:

    Klangblumen zum 75. Geburtstag
    Feuilleton, 14.11.2011
    Klavierkonzert – Sontraud Speidel spielt in der Darmstädter Akademie für Tonkunst Kompositionen von Barbara Heller.

    Von Klaus Trapp

    Darmstadt. Am 6. November hat die in Darmstadt lebende Komponistin Barbara Heller ihren 75. Geburtstag gefeiert. Dies war ein guter Anlass, im Großen Saal der Darmstädter Akademie für Tonkunst eine Auswahl ihrer Klaviermusik vorzustellen. Die Karlsruher Pianistin Sontraud Speidel spielte Stücke einer neuen CD, auf der sie Kompositionen Hellers interpretiert.
    Der Komponist Toni Völker fand zur Begrüßung sehr persönliche Worte zur Lebensleistung der Jubilarin. Er hob hervor, dass Barbara Heller nie die Neugier für das Geschehen im Bereich Musik verloren habe. Dafür sei Darmstadt mit den zahlreichen Aktivitäten im Bereich der Neuen Musik genau der richtige Ort gewesen. Völker erinnerte auch an ihren pädagogischen Einsatz für Kinder und Jugendliche und charakterisierte Hellers kompositorische Ausrichtung zwischen Tradition und Gegenwart.

    Rückblick bis in die fünfziger Jahre

    Der Frankfurter Komponist Ernstalbert Stiebler würdigte die vielfältigen Interessen und Initiativen der Kollegin. In einem Rückblick, der bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts reichte, in denen sie als Teilnehmerin der der Darmstädter Ferienkurse wichtige Impulse empfing, erinnerte Stiebler an Hellers Einsatz für die Frauenbewegung, an ihre Arbeit für den internationalen Arbeitskreis „Frau und Musik“, an den Aufbau des Hermann-Heiss-Archivs in Darmstadt. Er betonte, dass sie als Pianistin und als Komponistin stets eigene Wege gesucht, zeitweise auch experimentelle Musik betrieben und Improvisation, Tonbandmusik sowie Klanginstallationen in ihr Schaffen integriert habe.
    Sontraud Speidel arbeitete in ihrem kleinen Konzert die kompositorische Entwicklung Barbara Hellers mit markantem Anschlag, starkem Temperament und Gefühl für Nuance heraus. Von der schlichten, tänzerisch bewegten Klaviersuite (1956) über die rhythmisch aufgelockerte Sonatine (1962) führte der Weg bis zum aufgewühlten „Nacht-Tagebuch“ von 2003. Die längere Komposition „Weiße Tasten – Schwarze Tasten“ aus der gleichen Zeit wurde von der Klaviertastatur angeregt, sie wagt sich vor in kühne Klangfarbenzauberei. Am Ende des Programms standen einige „Klangblumen“: Mit ihren poetischen Titeln wie „Flatterblume“, „Welkende Rose“ oder „Papierblume“ und ihrem aphoristischen Stil erinnern sie durchaus an romantische Vorbilder. Interpretin wie Komponistin wurden mit stürmischem Applaus gefeiert. Barbara Heller dankte mit beredeten Worten allen, die am Zustandekommen des Konzerts und der CD beteiligt waren.

  3. Ernstalbrecht Stiebler

    Schreibt:

    Laudatio zum 11. November 2011

    Liebe Barbara Heller,

    Dass ich einmal hier stehen und etwas zu Deinem Fünfundsiebzigsten sagen würde, habe ich mir damals nicht träumen lassen!
    In den späten fünfziger- und frühen sechziger Jahren kamen wir aus allen Himmelsrichtungen in das uns unbekannte Darmstadt, das aber durch den Namen Stockhausen für alle, die in der Musik auf Neues, Anderes warteten zum Magnet wurde. Es war wirklich eine internationale Gruppe- ich denke nur an Klarenz Barlow, der aus Indien stammt, aber das Deutsche bis zu Wortakrobatik beherrschte, und an den Amerikaner Alvin Curran, beide bis heute treue Freunde! Durch die Konzerte, die Kurse und den ständigen Gedankenaustausch entstand eine Gemeinsamkeit, die noch lange anhielt, und „Miss Darmstadt“, wie Alvin Curran sie nannte, wusste immer einen Keller oder einen Garten, wohin wir uns zurückziehen und stärken konnten, denn die Avantgardemusik in Darmstadt, der sogenannte DA-Stil, war schon anstrengend. Wenn wir uns beispielsweise im Glasschrank trafen, um zu diskutieren, zu lästern, aber auch zu relaxen, wurde mir erst langsam klar, welchen Weg Du zurückgelegt hattest, um dazugehören zu können. Schon als Kind hast Du am Klavier lieber komponiert als geübt. Nach Deinem Staatsexamen konntest Du als Pianistin mit Konzerten und Klavierunterricht leben, mit vielfältigen Aktivitäten in verschiedenen Duos, auch als Klavierbegleiterin zum Solotanz und als Solistin mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester. Allerdings kam dabei schon immer das Komponieren zu kurz.
    Heirat und Kind machten es immer schwieriger , der Musik treu zu bleiben, so dass Du irgendwann schweren Herzens die Familie zugunsten der Musik zurückstellen musstest- wie eine Freundin schon gesagt hatte: „Wir Frauen brauchen eben zwei Leben“.

    So begann der Prozess Deiner Emanzipation. Du wurdest aktiv in der Frauenbewegung, im Internationalen Arbeitskreis „Frau und Musik“- und ein neues musikwissenschaftliches Wirkungsfeld eröffnete sich Dir, das aber schon mit der Herausgabe des Nachlasses von Hermann Heiß vorbereitet war und nun Deinem Engagement für die Komponistin Fanny Hensel-Mendelssohn und der Herausgabe der Sammlung „Klaviermusik von Komponistinnen“ diente.
    „Das war ein Rausch“, schrieb Elke Mascha-Blankenburg über die Zeit von 1978 bis 1981, „in der wir den Internationalen Arbeitskreis „Frau und Musik“ aufbauten- ein Rausch an Musik, viel Mut, Aufbruch, Träume und Neuanfang!“
    Du flogst 1979 nach New York, um mit den Komponistinnen der „League of women composers“ Kontakt aufzunehmen, nicht ohne zugleich in eigenen Konzerten aufzutreten.
    Außerdem engagierst Du Dich im musikpädagogischen Bereich durch Deine Mitwirkung bei den „Response-Projekten“ in Hessen- Schüler komponieren. Auch das Hundertmelodienbuch für Blockflöten ist ein schönes persönliches Beispiel solcher Arbeit. Außerdem spieltest du z.B. im Clara-Schumann-Trio, machtest Improvisationskonzerte und begannst wieder zu komponieren, denn Du suchtest nach Deiner eigenen Musik, angeregt durch die Darmstädter Ferienkurse.
    Dort trafst Du nun nicht auf einen abstrakten, intellektuellen Avantgardismus sondern auf jene schon erwähnten „Aventgardisten“. Das führte zur Auseinadersetzung, zu Kommunikation und schließlich zu einem Verständnis, das sich nicht nur in Nachahmung verlor, sondern zu der Überzeugung führte, dass man seinen eigenen Weg suchen musste, sei es nun ein fortschrittlicher oder ein traditioneller.
    Du fandest neue Ausdrucksformen, machtest Tonbandexperimente in Zusammenarbeite mit Nikolaus Heyduck, z.B. die Filmmusik „Die Avantgarde macht Pause“. So entstanden Klangcollagen und Musikgrafiken, wie die „Kartenspiele“, 47 grafische Partituren für ein bis zehn Instrumente in freier Besetzung.
    1990 lud Dich Hans Werner Henze zum XV Cantiere Internazionale d`Arte nach Montepulciano ein. Die Arbeit dort mit Aktionen in Live-Gruppen führte dann zu Improvisationen mit außermusikalischen Klangkörpern, wie Glas, Wasser, Holz, Bambus, Stein, Eisen sowie Umweltklängen.
    Dann wandtest Du Dich wieder mehr der Instrumentalmusik zu mit Deinen späten Streichquartetten und vor allem mit größeren Klavierzyklen, wie z.B. die Klangblumen.
    All dies ist nur ein pars pro toto, ein ganz kleiner Ausschnitt Deiner Arbeit, unmöglich, die vielfältigen Aktivitäten hier alle aufzuführen, die auch in Rundfunkportraits gewürdigt wurden.
    So hast Du diese schwierige Entscheidung für das Berufsleben, die für eine Frau immer ein Opfer bedeutet, zuletzt in vielfältiger Weise fruchtbar machen können: als Pianistin, als Komponistin, vor allem aber auch als Ermutigung für viele begabte Frauen, an ihre Begabung zu glauben und ihre Emanzipation zu verwirklichen.

  4. Mathilde

    Schreibt:

    Ein Leben für die Musik
    Heft 116, Ausgabe Januar /Februar 2012
    Das nicht kommerzielle Frauenmagazin aus Darmstadt

    Die Komponisten Barbara Heller feierte am 11. November 2011 ihren 75. Geburtstag mit einem Konzert in der Darmstädter Akademie für Tonkunst. Die Pianistin Sontraud Speidel spielte mit großem Können mehrere ihrer Klavierstücke. In ihren Festreden würdigten die Komponisten Toni Völker und Ernstalbrecht Stiebler unter anderem die Verdienste Barbara Hellers um ihren musikpädagogischen Einsatz für Kinder und Jugendliche.
    Als junge Musikerin war Barabara Heller mehrmals Stipendiaten der “Internationalen Ferienkurse für Neue Musik” in Darmstadt, und hier hat sie sich im Jahr 1963 auch als freiberufliche Pianistin und Komponistin niedergelassen. Sie dokumentierte den Nachlass des Darmstädter Komponisten Hermann Heiß und war Vorstandsmitglied im Institut für Musik und Musikerziehung.
    Barbara Heller ist in Ludwigshafen geboren, sie studierte in Mannheim und München Musik und Komposition, war 1963 Stipendiatin in Siena und arbeitete mehrere Jahre als Dozentin für Klavier an der Mannheimer Musikhochschule.
    1978 wurde Barbara Heller Gründungsmitglied des internationalen Arbeitskreises “Frau und Musik”, arbeitete im Vorstand und übernahm 1981 das Archiv. Seit 1976 engagierte sie sich für das vergessene Werk von Komponistinnen. Sie gab deren Werke heraus, führte sie auf und wurde wegen ihrer musikwissenschaftlichen Arbeit häufig zu Vorträgen und Rundfunksendungen eingeladen. 2005 wurde ihr der “Aloysia-Assenbaum-Gedächtnispreis” der GEDOK Heidelberg verliehen.
    Heute sucht sie die Abgeschiedenheit der Natur im Odenwald und auf La Gomera und konzentriert sich auf innere Kräfte und die Suche nach “der Essenz der Musik”. B.O.

  5. Piano News

    Schreibt:

    Februar 2012

    Der Reiz, mit der strikten Trennung von weißen und schwarzen Tasten der Klaviatur zu experimentieren, hat ja schon viele Komponisten verführt.
    Im Jahr 2006 schuf Jan Müller-Wieland für das Klavier-Festival Ruhr seine „Sechs Fassungen für Klavier“ mit dem Haupttitel „Weiß trennt sich von Schwarz“, in denen er die Spannung zwischen Pentatonik und Diatonik als Ausgangspunkt wählte. Auch Barbara Heller, die im vergangenen Jahr ihren 75. Geburtstag feierte, beschäftigte sich in ihrem 2004 entstandenen Solostück „Weiße Tasten“, schwarze Tasten mit dieser Thematik. Linke und rechte Hand sind hierbei auf die Kontrastfelder verteilt, während Heller sich bei der Wahl des Materials an ausgewählten Lieblingspassagen klassisch-romantischer Literatur orientierte, die der Pianist Werner Barho ihr genannt hatte. Sontraud Speidel spielt dieses Werk, in dem auch durch stummes Nachgreifen und Pedal zauberhafte Klangwirkungen entstehen, auf dieser allein Hellers Musik gewidmeten CD mit viel Fantasie. Es ist überhaupt der Kontrast- und Bewegungsreichtum, der die Werke der aus Ludwigshafen stammenden Pianistin und Komponistin Heller so auszeichnet. In der frühen Klaviersuite von 1956 klingt deutlich der Einfluss Bela Bartoks durch. Im Booklet ist ein interessantes Gespräch zwischen der um ein knappes Jahrzehnt jüngeren Pianistin und der Komponistin zu lesen, deren Werke Speidel schon seit Jahren spielt. Hier spricht Speidel von kargen und dadurch umso intensiveren Charakter der „Klangblume“, die sie auf der CD auch entsprechend interpretiert. Ernst Hoffmann

  6. Darmstädter Echo

    Schreibt:

    Neue CD: Barbara Heller

    Von Manuel Stangorra

    DARMSTADT. Schon der Titel „Schwarze Tasten, weiße Tasten“ bildet metaphorisch ab, um was es in der neuen CD der Darmstädter Komponistin Barbara Heller geht: Klaviermusik – genauer gesagt zeitgenössische, und das über eine Entstehungsspanne von 55 Lebensjahren. Trotzdem zeigt sich in dieser Neueinspielung eine geradezu frappierende Kontinuität. Die exzellente Pianistin Sontraud Speidel interpretiert Hellers Werke angemessen.

    Die 1956 entstandene Klaviersuite eröffnet die bei „organo phon“, dem Label des Dieburger Konzertagenten Richard Berg erschienene neue Produktion, die die Karlsruher Pianistin Sontraud Speidel brandneu eingespielt hat. Wie ein Harlekin tanzt die Musik im einleitenden „Amabile grazioso“. Als stringent erweist sich das sich anschließende Energico. Die ehemalige Rektorin der Musikhochschule Karlsruhe greift dabei mit drahtigem Zug in die Tasten. Ihr Spiel ist trotzdem licht und sauber, nur selten wirkt ihr Spiel ein bisschen distanziert, jedoch trifft die Interpretin damit exakt die Aura der Werke Barbara Hellers. Zumindest jenes der frühen Schaffensperiode, wo Anklänge an die barockimitierende „Sonate für Klavier 1924“ von Igor Stravinski nicht zu leugnen sind. Auch Alfred Schnittke versuchte 1963 mit seinem Titel „Präludium und Fuge“ Bezüge zum Barock herzustellen.

    Barbara Hellers zweisätzige Sonatine (1962) scheint klare Seen und Wälder zu spiegeln. Fest schreitet das Allegretto moderato im Viererrhythmus und ist doch so lyrisch. Modal –süffig erklingen die Harmonien, die Stimmung verhallt herbstlich-nebulös. Das alles herauszustellen, gelingt Sontraud Speidel perfekt. Gar dämonisch gerät es ihr zu Beginn des Presto, das genau wie „Weiße Tasten, Schwarze Tasten“ ein Prüfstein für die Virtuosität der famos disponierenden Pianistin ist.

    Das Nacht-Tagebuch (2003), welches mit Klängen Chinas, Glissandi und weiteren Spezialeffekten lockt, deckt Hellers Ader für improvisatorische Kompositionstechniken auf. Diese Stilmittel und gestiegene dynamische Anforderungen erweitern so 50 Jahre nach der Klaviersuite den Kosmos der Komponistin enorm. Das trifft ebenso zu für die Etüde 1 und natürlich Kontraste 2, die jüngsten ihrer auf dem Album versammelten Klavier-Kompositionen von 2010 beziehungsweise 2011.

    Weiße Tasten, Schwarze Tasten spielt den Ball in die gleiche Richtung. Unbeschränkt ist dort der Einsatz der Hände auf der Klaviatur, der Rhythmus schein manchmal geradezu auf (ab-)gehoben und an vielen Stellen werden da Ganztonklänge wie vom Wind durch die Lüfte gewirbelt. Dazu purzeln harmonische Zitate Richard Wagners. Es ist das hemmunsloseste Werk der Platte, die auch noch die interessanten 25 Miniaturen, genannt Klangblumen (1996-2007) enthält. Wie Aphorismen reißen sie Gedanken an. Das Booklet zur CD ist liebevoll und informationsreich arrangiert.

  7. VivaVoce

    Schreibt:

    Weiße Tasten, schwarze Tasten
    VivaVoce 92 / Frühling 2012

    Miteinadern bekannt geworden sind sie über eine historische Komponistin: Fanny Hensel war es, deren Klavierwerke Barbara Heller in den 80er Jahren an die Öffentlichkeit brachte. Mit der Interpretation der wiederentdeckten Klavierwerke der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy hatte Sontraud Speidel sie sehr beeindruckt. Über 30 Jahre später entstand die CD-Einspielung „Sontraud Speidel spielt Barbara Heller“. Es klingt so, als hätte sich die Interpretin indessen gründlich mit dem Werk Hellers auseinandergesetzt. Die „Klaviersuite“ von 1956 kommt so erfrischend spielerisch daher, dass Zuhören eine wahre Wonne ist. Der Titel „Weiße Tasten , schwarze Tasten“ (2003) klingt erstmal nach Flohwalzer, dort kann Sontraud Speidel jedoch all ihre Musikalität und vor allem Fingerfertigkeit zeigen. Auch die „Klangblumen“ (1996-2007) dürfen auf der CD nicht fehlen. 36 Minutenlang verzaubern „Gräser im Wind“, „Glocken“ oder „ziehende Wolken“ die HörerInnen.
    Ganz nebenbei kommt man noch , chronologisch angeordnet , die kompositorische Entwicklung Hellers mit. Fazit: Ein „Best of“ der Heller`schen Klavierwerke, gespielt von einer hochkarätigen Konzertpianistin.

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