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Klavierduo Glemser

Mozart | Saint-Saëns | Tschaikowsky

 

14.90€

Wolfgang Amadeus MozartSonate D-Dur für zwei Klaviere KV 448
1Allegro con spirit7:52
2Andante9:24
3Molto Allegro6:24
Camille Saint-SaensVariations sur un thème de Beethoven, op. 35
4Moderato assai - Tempo di Minuetto (Thema)2:20
5Allegro1:12
6Poco meno mosso1:37
7Tempo del Tema1:04
8Molto allegro1:24
9Moderato assai1:40
10Presto leggierissimo1:19
11Alla marcia funebre (Allegro moderato) –

Tempo del Tema – Adagio - Allegro – Presto
8:35
Peter IIjitsch TschaikowskyDie Nussknacker-Suite
12Ouverture3:22
13March (Marsch der Zinnsoldaten)2:27
14Danse de la fée dragée (Tanz der Zuckerfee)2:12
15Danse russe trepak (Russischer Tanz)1:16
16Danse arabe (Arabischer Tanz)3:55
17Danse chinoise (Chinesischer Tanz)1:09
18Danse des mirlitons (Tanz der Rohrflöten)2:43
19Valse des Fleurs (Blumenwalzer) 6:46
Total66:49
Interpret

Klavierduo Glemser

Aufnahme

Steingraeber Haus Bayreuth, April 2018

Tontechnik

Roland Kistner, Ohrlando Musikproduktion

Text

Florian Glemser

Übersetzung

Keith Harris

Fotos

Mathis Leicht Photography

Gestaltung

[ec:ko] communications / Mathis Leicht (cover)

Produktion

Richard Berg

Booklettext

Eine besondere Formation

Der Aufwand, den es bedeutet, mit zwei Klavieren aufzutreten, ist beträchtlich. Es müssen zwei gleichwertige Instrumente vorhanden sein. Diese müssen von der Stimmung und Intonation aufeinander abgestimmt sein.

Gleichzeitig ist das Zusammenspiel heikel – sehr heikel! Auf einem Blas- oder Streichinstrument wird der Klang vollkommen anderes als auf einem Klavier erzeugt. Dadurch nimmt man als Zuhörer den Anfang des Tones auf einer Geige oder Klarinette ganz anders wahr als auf dem Klavier. Genau genommen nimmt man den Anfang gar nicht wahr, sondern der Instrumentalist schleicht sich in den Ton hinein, mal schneller, mal langsamer. Auf dem Klavier macht es „Bling“ – und der Ton ist da. Genau in dem Moment, in dem der Hammerkopf die Saite berührt. Dieses Phänomen, welches man als Pianist, der nach einen gesanglichen Ton sucht, immer wieder unterlaufen möchte, wird einem schlagartig wieder bewusst, wenn man mit einem anderen Pianisten zusammen spielt.

Es ist nämlich so: Entweder spielt man zusammen und dann klingen die zwei Instrumente wie eines. Oder man ist es nicht: und dann erklingen die Töne nacheinander, es klappert.

Darüber hinaus ist man auch optisch voneinander getrennt: wenn man mit einem Klarinettisten zusammenspielt, kann man ihm beim Atmen zuschauen. Wenn man mit einem Geiger spielt, kann man beobachten, wann er den Bogen zur Saite führt. Im Klavierduo sieht man das Gesicht des jeweils anderen. Bei der Tonerzeugung selber sieht man ihn nicht. Man ist auf gute Vorbereitung und Intuition angewiesen.

Damit man als Klavierduo nicht verzweifelt, muss man sich also gut kennen: als Mensch und als Musiker. Es ist auffällig, dass gerade in dieser Formation oft Geschwister und Ehepaare spielen. Auffällig und durchaus nicht verwunderlich: denn man muss vollkommen in die Haut des anderen schlüpfen, um in dieser heiklen Konstellation eine Unmittelbarkeit des Spiels wiederherzustellen. Ich rede bewusst von wieder-herstellen. Denn alle Nuancen des Klavierspiels, die die künstlerische Persönlichkeit ausmachen, Nuancen der Agogik, Phrasierung und des Anschlags, müssen zusammen neu entdeckt werden, damit man wie einer spielt. Und dann entsteht der Moment,in dem sich eine Tür öffnet und man entdeckt, welch klangliche Finessen und welch Reichtum des Ausdrucks dadurch entstehen kann, dass man nicht alleine ist beim Spielen. Eigentlich weiß der Zuhörer nie, wer gerade was spielt und trotzdem kann er dabei sein, wie sich zwei Musiker die Bälle zuwerfen.

Als meine Frau Franziska und ich uns darüber Gedanken machten, welches Repertoire wir auf unserer ersten CD als Klavierduo aufnehmen möchten, wurde uns schnell klar, dass wir den besonderen Reiz dieser Formation auch in unserer Stückauswahl zeigen wollten. Die aufgenommenen Werke sollten alle Möglichkeiten des Duospiels ausschöpfen. Und so kamen wir nach kurzem Überlegen auf drei Kompositionen: die Sonate in D-Dur KV 448 von Wolfgang Amadeus Mozart, die Variationen über ein Thema von Beethoven op. 35 von Camille Saint-Saëns und eine Bearbeitung von Tschaikowkys Nussknackersuite aus der Feder des Pianisten und Komponisten Nicolas Economou.

 

Die Sonate KV 448: Die Oper in der Glaskugel

Mozarts Sonate in D-Dur ist wohl das Repertoirestück für Klavierduo schlechthin. Das liegt zum einen sicher daran, dass es das einzige große Werk für zwei Klaviere der klassischen Meister Haydn, Mozart, Beethoven überhaupt ist. Es liegt aber auch am großen Reiz, den dieses Werk für Zuhörer und Interpreten entfaltet. Mustergültig und voller Inspiration schöpft Mozart die Effekte zweier Klaviere aus: Echos, Komplementärrhythmen und versetzte Läufe. Und immer wieder dürfen sich beide Pianisten im virtuosen Schlagabtausch messen. Brillante Passagen werden oft tongetreu vom jeweils anderen wiederholt und zusammen können sich beide Pianisten in einen wahren Klangrausch spielen. Dieses Stück ist für die Bühne gedacht und zwar akustisch und optisch, denn man kann die beiden Kombattanten und Partner bei ihrem musikalischen Zwiegespräch und Wettstreit auch wunderbar beobachten.

Wenn immer wieder davon die Rede ist, dass Mozarts Klaviermusik eigentlich immer auch Opernmusik ist, hier gilt es in besonderer Weise. Der erste Satz hat ja auch einen ausgesprochenen Ouvertürencharakter, schon das Eingangsthema öffnet den Vorhang und lässt uns auf eine musikalische Szenerie blicken. Der Opera-buffa-Charakter mit den oben beschriebenen musikalischen Effekten zieht sich durch dieses ganze Stück voller musikalischer Keckheiten.

Als Idyll in der Mitte steht der zweite Satz: ein zärtlich romantischer Wechselgesang, der den Humor aber nie verliert. Entzückende Echoeffekte lassen uns schließlich auch schmunzeln. Das zweite Thema, welches mit einem schwärmerischen Oktavauftakt nach oben eine ausdrucksvolle gesangliche Linie eröffnet, wird in der Reprise wie als Erinnerung von einer Spieluhr vorgetragen.

 

Die Beethovenvariationen: Lakonie trifft Esprit

Camille Saint-Saëns ist heute vor allem durch seine berühmteste Komposition, der „zoologischen Fantasie“ Karneval der Tiere berühmt. Seinerzeit wurde er von Franz Liszt als größter lebender Organist bezeichnet und war auch als Pianist sehr erfolgreich. Seine Musik ist äußerst wirkungsvoll, voller musikalischer Leichtigkeit bei oft sehr brillanten instrumentalen Anforderungen. Er wurde zeit seines Lebens als eher konservativer Komponist angesehen, der auch seine Kontroversen mit Kollegen hatte: Claude Debussy, der Sentimentalität als Horror empfand, bezeichnete die Musik Saint-Saëns als eben sentimental. Saint-Saëns wiederum bekämpfte den Einfluss der deutschen Musik auf die französische, besondere Abneigung hatte er zu Wagner und Schönberg. Umso erstaunlicher erscheint es, dass er sich das Thema eines deutschen Komponisten für seine Variationen op. 35 vornahm: aber an Ludwig van Beethoven führt wohl kein Weg vorbei!

Das Thema dieser Variationen ist aus Beethovens Sonate op. 31, Nr. 3 entnommen und zwar aus dem Trio des dritten Satzes. Die Sonate op. 31, Nr.3 in Es-Dur ist eine von Beethovens originellsten und witzigsten Sonaten. Jeder der vier Sätze sprüht nur so vor Einfallsreichtum und Humor. Das Trio hingegen ist sehr lakonisch: es ist die etwas spröde Antwort auf ein gesangliches Menuett. Dieses Trio nimmt Saint-Saëns nun als Thema für seine Variationen. Während Beethoven seine Musik oft aus der Bearbeitung des thematischen Materials entwickelt, geht Saint-Saëns einen anderen Weg. Verspielt spielt er um das Thema herum. Auch die kurze Bündigkeit des Themas selber wird schon dadurch etwas aufgelockert, dass die beiden Klaviere abwechselnd spielen und von Anfang an in einen Dialog treten. Auch hier hören wir wieder die ganze Palette des  Duospiels und eine große kompositorische Fantasie. Die nonchalante Unbeschwertheit, mit der Saint-Saëns Beethovens Material bearbeitet, zieht der Sprödigkeit quasi den Zahn: die Variationen sind voller Freude und Esprit. Gleichzeit nimmt sich Saint-Saëns den Großmeister humorvoll zum Vorbild und komponiert in Beethovenscher Manier einen Trauermarsch und eine Fuge. Die Ernsthaftigkeit, mit der hier versucht wird, dem Beethovenschen Material gerecht zu werden, aber auch das Augenzwinkern, mit dem das geschieht, machen die besondere Qualität dieses Werkes aus.

 

Die Nussknackersuite: Ballettmusik für zwei Klaviere

Welches ist das berühmteste Werk von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky? Schwanensee? Eugen Onegin? Dornröschen?

Wahrscheinlich ist es tatsächlich das Ballet Der Nussknacker op. 71 oder die gleichnamige Orchestersuite. Den Tanz der Zuckerfee kennt wirklich jeder, und sei es aus der Werbung. Tschaikowsky war ein Meister der melodischen Einfälle. Es war seine besondere Gabe, unzählige Melodien erfinden zu können, die man noch Tage später auf der Straße nachpfeift. Er war – und das meine ich nur positiv- ein echtes Ohrwurmgenie!

Die Geschichte hinter dem Ballet ist folgende: Clara bekommt von ihrem Patenonkel Droßelmeier zu Weihnachten einen Nussknacker geschenkt. Clara möchte noch bei den Geschenken bleiben, doch dann fängt sie an zu träumen: Der Nussknacker und eine Husarenarmee kämpfen gegen das Heer des Mäusekönigs, der aus dem Wohnzimmerboden kommt. Die Husaren zeigen im Verlauf des Kampfes Feigheit und Clara greift in die Schlacht ein und wirft ihren Hausschuh nach den Mäusen. Sie erfährt, dass der Nussknacker in Wahrheit ein verwandelter Prinz ist. Mit Claras Hilfe besiegt er den Mäusekönig und „am Limonadestrom, der in den Mandelmilchsee mündet“, lernen sich die beiden lieben. Der Nussknacker verwandelt sich in einen ansehnlichen Prinzen. Sie gehen schließlich zu dem Schloss Zuckerburg und die dort residierende Zuckerfee veranstaltet ein rauschendes Fest. Die Geschichte beruht auf der Erzählung Nussknacker und Mäusekönig von E.T.A. Hoffmann und einer Bearbeitung des Stoffes von Alexander Dumas.

Tschaikowsky entlockt diesen Stoff eine Musik, die einer Zuckerburg am Limonadestrom, der in den Mandelmilchsee mündet, würdig ist. Wir haben es hier mit musikalischen Süßigkeiten allererster Güte zu tun. Die Titel der Stücke (Arabischer Tanz, Chinesischer Tanz, Tanz der Zuckerfee, Blumenwalzer) verraten die exotische und märchenhafte Welt, in die uns diese Musik entführen soll. Die Bearbeitung von Nicolas Economou steht der Orchesterfassung nicht nach, sondern erlaubt es den Pianisten, einen Tanz an zwei Klavieren zu veranstalten. Die Bearbeitung erlangte Bekanntheit durch eine Aufnahme Economous mit Martha Argerich aus dem Jahr 1983. Die Bearbeitung sowie die Musik selber sind voller Charme und Liebenswürdigkeit und der tänzerische Charakter dieser Musik macht uns beim Spielen immer wieder gute Laune. Das Klavier (solo, zu vier Händen, an zwei Klavieren) ist häufig ein Medium gewesen, mit dem man Orchestermusik aufführen konnte. So schrieb schon Franz Liszt Klavierbearbeitungen der neun Symphonien von Ludwig van Beethoven. Manchmal gelingt es, dass der Orchesterersatz eine gleichwertige Alternative darstellt: in dieser Bearbeitung der Nussknackersuite ist das unserer Meinung nach gelungen.

 

Florian Glemser

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